Oh Mann…..

Oh Mann…..
Das haben wir überstanden…..was für ein Schauspiel….
So ganz ist uns noch nicht klar wie es zu diesem Wetter kam….
In etwa aber schon….ich versuch mal der Reihe nach zu erzählen..
Nachdem wir Thomas und Uwe an Bord genommen hatten war schon die Überfahrt von Teneriffa nach Gomera ein Abenteuer mit viel Wind ….im 3.Reff und mit Sturmfock…aber schönem Sonnenschein ein sportliches Erlebnis.
Unterwegs schwamm uns in den großen Wellen eine Schildkröte über den Weg….
Die erste Nacht mit unserem Besuch haben wir auf Anker vor Santiago verbracht, und sind dann am Morgen weitergefahren nach Valle. Hier hatten wir dann sehr lustige Tage, die unsere Lachmuskeln ziemlich trainiert haben…tolle Wanderungen  in den Bergen, geangelt, gebadet…
naja, was wir halt immer so machen…
Am Samstag abend sind wir früh zu Bett, wir mussten um 4 Uhr wieder hoch, damit Thomas und Uwe ihren Bus um 5 Uhr Richtung Fähre und Flieger erwischen konnten…
Für den nächsten Tage war Starkwind  angesagt…. auf  allen weatherforcasts ….6 bis 7 Beaufort aus Nordost..was ja auch schon recht viel Wind ist, aber nix dramatisches…der Hafen hier liegt im Südwesten der Insel und ist gegen nordöstliche Winde gut geschützt…
Bei der angesagten Wetterlage haben wir eigentlich sonnige Tage im Hafen erwartet , ohne viel von dem Wind mitzubekommen…. na, und das kam dann doch ziemlich anders…
So gegen 2…3 Uhr wachten wir alle von lautem Windgeheul auf….der Wind nahm in den nächsten Stunden immer mehr zu…fast 24 Stunden lang hatten wir alle paar Minuten Böen mit 12 Windstärken…die Gischt flog in “weißen Wänden” durch den Hafen…der Orkan brüllte ohrenbetäubend….unsere Beiboote flogen samt des Außenbordmotors waagerecht wie Flaggen an der Leine hinter unserem Boot , Persenninge und Kuchenbude begannen zu zerreißen….also hatten wir erst mal alle Hände voll zu tun….Beiboote sichern., Außenborder und das lecke Schlauchboot an Bord zerren…1 Paddel leider schon verloren….das Schlauchboot hatte ein dickes Loch,  ….Kuchenbude schnell abgebaut…Segelpersenning mit Leinen gesichert,….auf Deck mußte man sich in den ständigen Böen ducken und gut festhalten….
Der Hafen hier hat keine Steganlagen…alle Schiffe liegen an Moorings oder vor Anker hinter den Schutzwällen…wir in einer Reihe mit 4 anderen Yachten ca 20 m von der Pier in Windrichtung entfernt. Das Festmachen hier ist immer nicht so ganz unkompliziert…man liegt mit dem Bug zum Land, nach hinten bringt man wahlweise  einen Heckanker aus (was man in Wirklichkeit aber lieber nicht tut, weil der Hafengrund übersät ist mit alten Ankern, Leinen, Ketten, und man seinen eigenen Anker mit großer Wahrscheinlichkeit nie wieder sähe)oder man taucht, so machen es alle, und befestigt eine Leine an den Betonblöcken oder alten vorhandenen Ankern…
Die anderen Yachten, die jetzt also mit uns dort in der Reihe lagen, holten  bei jeder Bö über, und kränkten auf 45 Grad. Alle unsere Fender waren kaum genug um die Begegnungen abzufangen..
Die Fender wurden darüber hinaus laufend hochgeweht, und mussten den Bedingungen immer wieder neu angepasst werden…die Leinen nach unten haben wir alle halbe Stunde etwas durchgeholt, damit sie nicht durchscheuern…wir waren also beschäftigt, und mussten bald erkennen, daß es unmöglich sein würde Thomas und Uwe gegen den Wind mit dem Beiboot an Land zu bringen….viel zu gefährlich….später haben wir dann erfahren, dass sowieso weder Bus noch Fähre gefahren sind….
Das von uns am weitesten entfernte Schiff, ein kleiner ca 8m Holzsegler, ein 60 Jahre alter Oldtimer wurde zwischen seinen beiden Nachbarn fast zerdrückt…der Eigner, ehr zufällig für ein paar Tage aus Norwegen angereist, kämpfte unter lautstarken Verwünschungen gegen das Ende seiner Jacht an (den Untergang hat er verhindert, aber kaputt ist wohl ne ganze Menge)

Der Sturm dauerte noch den ganzen nächsten Tag an, übrigens bei wunderschönem Sonnenschein.
Vor der Hafenkneipe versammelten sich im Schutz der Fischhallen unzählige Touristen, Einheimische und sogar das Fernsehen um unseren “Kampf” entspannt bei einer Tasse Cafe oder einem Bierchen zuzuschauen….
Inzwischen hat der Wind, der wohl durch Fallwinde aus den Bergen verstärkt, sich vor allem hier in diesem Tal zu solcher Gewalt entwickelt hat, wieder nachgelassen….Thomas und Uwe sind am Morgen zu ihrem Ersatzflieger aufgebrochen….die Schäden bei uns an Bord sind nicht so schlimm und meist schon wieder behoben…Thomas und Uwe haben sogar tatsächlich einen Fender, der abgerissen war wiedergefunden…ich hab beim Tauchen heute morgen noch 20€ und eine Sonnenbrille gefunden, die der Wind den Schaulustigen entrissen hat.
Im Ort sind einige Dächer abgedeckt, die Eternitplatten liegen zerschlagen in den Straßen, Bananenstauden sind umgeknickt und zerzaust, manche Bäume haben kein einziges Blatt mehr !!
Die überwiegend kleineren Boote, geparkt auf Trailern im Hafengelände sind umgeweht worden…ein Boot muß sicher hundert Meter über den Platz gerollt sein, um dann endlich an der Hafenmauer zu zerschellen….der ganze Platz ist mit Wrackteilen übersäht…
Wir sind noch etwas erschöpft….der Schlaf kam zu kurz…die Sorge war groß….

In den nächsten Tagen werden wir wohl aufbrechen nach Las Palmas auf Gran Canaria….wir wollen uns den Hafen dort auch noch mal anschauen….wie es uns dort gefällt….
Also…erst Mal…liebe Grüße von Enno und Katrin und Lola…

                                                 


Kommentare

Oh Mann….. — 2 Kommentare

  1. Hallo Ihr,
    Hauptsache Ihr seid gesund geblieben. So ähnlich hatten wir es hier im Psychohafen auch schon.
    Masten gebrochen, Dalben gebrochen u.s.w. ! Aber ich denke das wisst Ihr.
    Aber das kann doch einen Seemann nicht erschüttern…. !
    Lasst es Euch gut gehen, und bis bald.
    lg von der Schwentineflotte

  2. ohmannohmann, jetzt erst gelesen, leide ich noch mal mit euch!! Schicke euch Kraft aus dem hohen Norden

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