Überfahrt nach Gomera

Hallo ihr Lieben,

so jetzt sind wir schon ein paar Tage auf Gomera….Ulli und Bärbel sind zeitgleich mit uns hier eingetrudelt, und wir haben sie direkt am 1. Morgen beim Joggen getroffen….ihr Appartemento liegt direkt gegenüber unseres Ankerplatzes…das Wetter ist ein Traum…wir waren schon wandern und tauchen und freuen uns endlich wieder hier zu sein…fühlt sich ein klein bisschen an wie nach Hause kommen….Enno hat sich netterweise mal aufgerafft und einen Bericht über unsere Überfahrt verfasst….:

Here is sailing vessel Christine DLFY 211238620 for sailing report.

Auf Wunsch jetzt mal was Segeltechnisches. Grundsätzlich muß ich sagen findet die Planung einer Überfahrt hauptsächlich im Kopf statt, so daß wir die groben Strukturen zu Papier oder auf die Karte bringen. Unterwegs kommt es dann auf den Belastungszustand der Mannschaft an, wie viel der Ereignisse sich im Logbuch niederschlagen.

Kartenmaterial für diese Überfahrt von der Ria Formosa bis Gomera ist erstens: Int. 103 vom BSH. Der Kanal bis Straße von Gibraltar und Azoren und Admirality Charts 3133 Casablanca to Islas Canarias incl. Madeira. Des weiteren von Imray E1, E2, E3 Arquipelago dos Acores, Islas Canarrias, Arquipelago da Madeira. Detailpläne, Häfen; Ansteuerungen, Ankerplätze etc. ist dann noch Atlantic Islands von Imray.

Also als erstes wächst das Bedürfnis den Standort zu wechseln aufgrund von nicht optimalen Bedingungen, die wir in Form von Kälte, Regen, Feuchtigkeit, eben schlechtem Wetter und keiner Sonne mehr zu spüren bekommen. Das führt bei uns dazu hinter dem Sommer her zu segeln und zwar auf ca 30 Grad nördlicher oder südlicher Breite.

Und wie nun anstellen ohne Probleme? Wetter, Wetter, Wetter !!! Wir beobachten dann täglich die Großwetterlage auf dem Nordatlantik und versuchen aus DWD, Northwood, UsGrip, Windfinder oder Passage Weather aus dem Internet die Wetterlage zu beurteilen und abzuschätzen.

Oft heißt es jetzt Geduld, und wir suchen “Die stabile Azorenhoch Wetterlage die vor der afrikanischen Küste mit wenig Wind aus Nord bis Nord Ost so um die 10 -15 Knoten stabil weht und auch über die meist sicheren ersten drei Tage stabil bleibt und eine schöne Überfahrt ohne Probleme beschert. Wenn man zu lange wartet ist sie auch schnell mal vorbei. Jimmy Cornell empfiehlt die Überfahrt vor Oktober. Wir müssen also auf der Hut sein, der Nordatlantik versteht keinen Spaß und Fehler rächen sich, wenn nicht katastrophal, so doch durch mächtig Wind und haushohen Wellen von achtern auf diesem Kurs. Wir haben bei unserer Abfahrentsscheidung am 30.10.2013 unsere Meinung vom Sonnabend auf Montag auf Dienstag auf Mittwoch verschoben. Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen daß ein Tief vor Portugal am Azorenhoch vorbei mit in den Süden rutscht und dann gute Nacht. Das wird dann Böse. Also Auflösungstendenzen des die Tiefs abriegelnden zorenhochs erkennen, und abwarten um dem Wahnsinn aus dem Wege zu gehen.

Abfahrt 30 10 2013 ,auslaufen aus der Ria Formosa 15:45 bei gerade noch auflaufend Wasser 2 Knoten Strom gegenan, sonst kommt man da auch fast nicht raus, weil das meiste Wasser aus dieser Ria aus diesem Gattje strömt sehr zu vergleichen mit den ostfriesischen Inseln das Ganze.

Also raus da, und dann juppidu 222 Grad rechtweisender Kurs Richtung Gomera und kein Wind, ist ja klar, der Wind kommt aus Nord bis Nord Ost und wird von Land abgedeckt. Zu Segeln ca 700 nm bei durchschnittlichen Etmalen von 120 Meilen ca sechs Tage und sechs Nächte auf See. Unter Segeln dümpeln wir mit 1-2 Knoten daher. Das würde bedeuten 24 nm Etmal gleich sieben Tage und Nächte auf See und ist das Wetter Sieben Tage stabil??? Nee kein Risiko, zumal am Anfang. Nicht schon am Anfang in Verzug kommen . Motor an und bei langsamer Drehzahl erstmal bis 23:36 motoren langsame Fahrt 4,8 Knoten achterlicher Wind. Etwas mehr als Standgas um Diesel zu sparen. Acht Stunden unter Maschine mal drei Liter macht 24 Liter macht knapp 30 € steuerfrei.

So und nun ist er da, unser Wind.222 grad ist nicht zu laufen, die Segel schlagen, außerdem wollen wir weg von der afrikanischen Küste dort dreht sich das Hoch schneller und es kommen dort bei der Wetterlage Windgeschwindigkeiten von 25 Knoten vor. Na ja und das weiß man ja ,wo 25 sind können auch schnell mal 30 sein oder so und das ist immerhin schon Windstärke 7. Nee, Nee, Nee! Schön Richtung Madeira 238 grad vor dem Wind kreuzen. Ja und dann, segeln segeln segeln. So geil. Drei Tage hat keiner irgend etwas an den Segeln angefasst und die Selbststeueranlage zieht einen geraden Strich auf dem Plotter. Wir sichten Madeira am 03 11 7:00 32grad 52 minuten Nord 15 grad 42 Minuten West. Wende Steuerbordbug neuer Kurs 198 Grad.

Tagsüber wird geangelt dh. wir schleppen die ganze Zeit Kalamarimitate hinter uns her und oh wie schön, ein Fisch nach dem anderen, gerade recht in der richtigen Größe, will an Bord. Drei Bonitos, zwei Goldmakrelen, eine Möwe und vier Bonitos verloren. Es gibt jeden tag tollen Fisch aus dem oberen Regal, der uns Kraft gibt und vorhält und satt macht. Außerdem Müsli mit selbstgemachtem Joghurt und klasse Honig aus Portugal.

Es wackelt und rollt, und die alltäglichen Dinge zu verrichten fällt schwer. Kraft sparen und schlafen ist erstes Gebot. Wir sind ein zwei Wachen Schiff und alle vier Stunden hat man Wache.

Ab 4.11. haben wir auf der Tour zwischen Madeira und Gomera eineinhalb Tage Bewölkung und Regen mit wechselnden Winden, aber nicht schlimm. Das Hoch hat oben im Norden kleine Stücke der Tiefs, die die Orkane bei euch verursacht haben, abgerissen und mit nach Süden gezerrt aber ohne viel Wind darin. Trotzdem zwischen Regenschauer und Windlöchern variiert der Wind etwas in Richtung und Stärke und zwischen 25 und 5 Knoten. Das macht aber nichts, unsere elektrohydraulische Selbststeueranlage zieht einen Kurs wie auf Schienen. Beim ersten Kontakt mit diesen Wolken und Schauern hatten wir feste gerefft aber wie gesagt harmlos. Später habe ich mit dem Radar in die Wolken geschaut ,ob viel Regen und Wind darin versteckt war, war aber nicht. Schön stabil unser Überfahrtsazorenhoch .Mein Hintern ist ein wenig durchgesessen und wir überlegen ,wenn wir den Atlantik überqueren müssen wir Gymnastik machen damit wir nicht völlig steif werden.

05.11.2013 07:31 Gomera in Sicht .Sechs Tage und sechs Nächte auf See und punktgenaue Landung, immer wieder faszinierend das wirklich Land auftaucht.

 Master and first officer Enno und Katrin


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